Das Date mit „Himmel, 35“

 

Wer „Himmel“ ist und wie wir uns kennenlernten, erfahrt ihr in den vorangegangenen Artikeln.

 

7 Uhr, der Wecker klingelt. Egal, war ich doch eh schon seit einer Stunde wach, aber nun ist es Zeit aufzustehen und sich auf das Date vorzubereiten. Ich schwing also meinen Knackarsch aus dem Bett, fütterte meine beiden Katzen und sprang unter die Dusche.  Aber dies konnte natürlich nicht ohne den morgendlichen Gruß und ein paar Sprachnachrichten mit ihr geschehen. Bei all dem Geschreibe, verlor ich beinahe die Zeit etwas aus den Augen und sowieso konnte ich es kaum glauben dass ich diese Frau gleich treffen werde. Duschen hilft den Kopf und andere Körperregionen wieder auf ein annehmbares Level zu bekommen. Mein Duschgel machte zudem einen sportlichen Eindruck und ich hoffte, dass genug davon an mir haften blieb. Schön trockenrubbeln, die engste Unterhose angezogen, die „beste“ Hose, enges Poloshirt, Pullover. Haare kämmen, Hände und Gesicht eincremen. Mann will ja gut aussehen und sich auch so anfühlen. Das Eincremen hatte ich beinahe vergessen, da viel mir der Rat meiner Mutter wieder ein, den sie mir als Pubertären Jungen mal gegeben hatte:

 „Junge, wenn du mal ein Mädchen Küsst, sorge für sanfte Lippen und Hände!“.

„Hände?“

Fragte ich.

„Ja genau, wenn du eine Mädchen küssen willst, dann näher dich ihr leicht, fahr mit der linken Hand über ihre Wange, halte sie sanft am Nacken und zieh sie den Rest an dich heran und küsse sie. Dafür brauchst du gepflegte Hände und Lippen!“.

Habe ja nicht viel von meiner Mutter mit auf den Lebensweg bekommen, aber für diesen Rat bin ich ihr sehr dankbar.

Frühstück… oh man, wo war nur die Zeit geblieben? Keine Zeit mehr, in 30 Minuten steht sie vor meiner Tür! Die Aufregung machte Platz für die Vorfreude und das war ein gutes Zeichen.
Ich denke, wenn man sich aufeinander freuen kann ohne diese Nervosität und Angst, die man vor einem Date spüren kann, ist dies sogar ein sehr gutes Zeichen.
Noch 30 Minuten, ich checkte mich nochmals von oben bis unten durch ob ich auch nichts vergessen hatte.

  • Geduscht: Check!
  • Haare gewaschen: Check!
  • Vernünftige Klamotten an: Check!
  • Hände und Gesicht eingecremt: Check!
  • Katzen gefüttert: Check!
  • Zähne geputzt: Che… ach verdammt…
  • Zähne geputzt: Check!

Sie meldet sich:

„Bin in 10 Minuten da!“

  • Fingernägel geschnitten: Maaaaan!
  • Fingernägel geschnitten: Check!

„Bin auf dem Parkplatz, gib mir noch 10 Minuten.“

 

  • Geschenk für sie: Check!

 

Geschenk? Jup, ein Geschenk, nicht die klassischen Blumen, sondern etwas Besonderes!

Währen unseres Telefonats erzählte sie mir so viele Dinger über sich,  viele Kleinigkeiten die sie gerne mag und da gilt es, gut hin zuhören. Sie mochte weiße Schokolade und fand ein bestimmtes „Schimpfwort“ recht prickelnd. Am Montagabend, gegen 23 Uhr machte ich mir nen Kopf darum wie man einer Frau ein Geschenk zum ersten Date macht. Ich Dussel, da hätte ich auch mal vorher drauf kommen können!

Sowieso ist das Mitbringen von Schokolade und/oder Blumen zum ersten Date ein heikles Thema, wie ich erfahren hatte. Ich hatte, bevor ich mit der Daterei anfing, viel über solche Themen gelesen unter anderem auch das Thema „Blumen zum ersten Date, Ja oder Nein?“  Und da sind die Damen dieser Welt durchaus unterschiedlicher Meinung, die Eine findet das total süß und romantisch, die Andere findet das schon zu aufdringlich oder gar fordernd.

Da ich ein guter Zuhörer bin, wusste ich, dass sie dafür recht zugänglich war, ich sagte ihr am Telefon dass sie sich da auf etwas gefasst machen kann! Und dann vergesse ich es und es fällt mir nachts, elf Stunden vor unserem Date, wieder ein.

Facepaaaaalm
Zum Glück habe ich immer weiße Schokolade im Haus! Aber, man kann ihr ja nun nicht einfach so ne Tafel Schokolade auf den Schoß werfen und sagen:

„Hier, ich hab genau hingehört, sei begeistert und beeindruckt!“

Außerdem hatte ich ja gesagt dass sie sich da auf etwas gefasst machen kann.
Naja, ich wäre nicht ich, wenn ich das nicht doch noch in etwas Schönes verwandelt hätte. Wie gesagt es war spät und ich überlegte mir wie ich das nun in etwas Besonderes verpacken könnte.

Um 1 Uhr nachts dann die Idee. Zu Grunde liegt der Gedanke, dass sie nun glaubt dass ich ihr etwas in die Hand drücke sobald wir uns sehen. Ich habe da andere Pläne ( ͡° ͜ʖ ͡°)

Ich nahm also die Packung Schokolade, suchte in meiner Rumpelkammer nach einem passenden Karton und warf nun die Tafel in die Schachtel. Sah nun nicht so gut aus. Also, noch Unmengen an Polstermaterial hinein, das Ding darf nicht klappern wenn man es schüttelt! Hmm, immer noch etwas Fad und lieblos. Ein paar nette Zeilen müssen her!

01:30 Uhr, ich schmeiß den Rechner an und überlegte mir was ich schreiben könnte. Darf ja nun auch nicht zu viel sein, nur eine nette, liebevolle, herzliche Geste und kein Heiratsantrag!

*Grübel*, *am Kopf kratz*

02:00 Uhr, zig Entwürfe später, hatte ich dann die, meiner Meinung nach, richtigen Zeilen:

„Blumen kann jeder aber für mein kleines <hier ein Schimpfwort einfügen> gibt’s Schokolade!“

Das war gut, hoffte ich zumindest. Da war alles enthalten was ich mir  so vorstellte, so sah sie, dass ich ihr gut zugehört hatte. Das Ganze dann noch in etwas größeren Buchstaben, damit sie das auch lesen kann. Denn, ihre Brille war nicht mehr so auf ihre Sehschwäche eingestellt. Mit anderen Worten, durch die Linsen konnte sie nur schwer lesen. Hatte sie mir ebenfalls beiläufig am Telefon erzählt.

Zettel ausgedruckt, eingetütet und ebenfalls in den urhässlischen Karton gepackt. Sieht noch nicht schlimm genug aus, Klebeband muss her! Kackbraun, genau das Richtige! Den ohnehin schon widerlich anmutenden Stück Zellulose noch etwas mit dem Klebeband umwickelt. Jetzt sah es „gut“ aus!

02:30 Uhr, die Idee war umgesetzt und ich ging zufrieden wieder zurück ins Bett.

 

 

„Ich bin so weit, kannst raus kommen!“

 

Schuhe und Jacke an, Mütze auf, war ja kalt draußen, nochmal tief durchatmen und los geht’s.

Die 100 Meter bis zum Parkplatz waren echt fies da gehen einen so viele Gedanken durch den Kopf. Was wenn sie mich sieht und mich dann doch nicht mag, den Schlüssel umdreht und wortlos wegfährt? Was wenn sie mich nicht mag und ich trotzdem zu ihr ins Auto steige, dann wird das ein echt mieses Date?! So ein Ähnliches hatte ich ja bereits und sowas wollte ich nicht gleich nochmal erleben müssen!

Ach, komm jetzt Chris, alles wird gut. Selbstmutivation Level over 9000!

Ich kam dem Auto also immer näher, ich sah ihre schönen braunen Haare durch das Fenster, ihr Profil, die Herbstsonne die sich über ihr Gesicht legte. Schritt für Schritt wurde sie immer größer, gleich war er da, der Moment wo sie mich zum ersten Mal sieht und eine Reaktion zeigt.

Ein herzliches, wunderschönes Lächeln!

 

Ich ging um das Auto, öffnete die Beifahrertür und fragte:

„Haben Sie das „Model C“ bestellt?“

Sie lächelte und machte mit ihrem Kopf die Geste zum Einsteigen.

 

Nun saßen wir zwei Hübschen da und fuhren Richtung Schlosspark. Schüchternes Schweigen, keiner machte den Mund auf, die Atmosphäre in der Luft war schön aber das Schweigen ging gar nicht.

Sie sagte dann:

„Entschuldige mein Schweigen, ich muss mich etwas auf die Straße konzentrieren.“

Ich erwiderte:

„Alles gut, ich muss auch erstmal etwas auftauen!“

Wir lächelten darüber, fanden die Situation beide „süß“. Mit jeder Minute wechselten wir mehr Wörter bis wir dann auch mal ganze Sätze austauschen konnten. Und ja Leute, es war wunderbar!

Nach 20 Minuten Fahrt, kamen wir am Schlosspark an. Hmm, nirgends ein Parkplatz frei, also einmal halb rum um den blöden Park. Nur ein kostenpflichtiger Parkplatz, ich meinte:

„komm, den nehmen wir, ich gebe einen aus, bevor wir hier noch Stunden lang eine Parkgelegenheit suchen.“

Mit den blauen, alten Astra also rauf auf den Parkplatz und stellten uns neben zig Mercedes Bens, BMW’s und Audis der neusten Generation. Wir waren uns einig dass wir den falschen Beruf gewählt haben. Motor aus und ausgestiegen.

Als sie ausstieg, sah ich sie in ihrer vollen Pracht, diese Haare, diese Beine, der Hals, ihre Ohren und ein Hintern in dem man nur noch reinbeißen möchte.

Reiß dich zusammen Chris und für den Notfall hast du ja schließlich die enge Unterhose an!

Noch etwas verhalten, schlenderten wir Richtung Park. Dort angekommen wurde es schön ruhig und der Park offenbarte seine ganze Schönheit im Herbstgewand. Die Luft war klar, die Bäume leuchteten in den schönsten Herbsfarben und kaum Menschen dort, nur ein paar Angestellte die anfingen den Park winterfest zu machen. Wir schlingelten uns so durch den Park, während sie unzählige Fotos mit ihrer Kamera machte, wir sprachen kaum ein Wort.

„Erzähl mal etwas“

sagte sie.

„Erzähl du doch was, bin auch schüchtern!“

Wir fanden es beide recht Amüsant dass wir so schüchtern waren, dabei hatten wir zuvor doch so frei und offen miteinander reden können. Aber es ist eben doch immer etwas Anderes wenn man sich persönlich gegenüber steht. Wir schlenderten weiter, sie machte weiter Fotos und wir fanden auch einige Gesprächsthemen, so wurde es dann doch noch recht entspannt und schön.

Nach gut zwei Stunden wurde uns etwas kalt und bekamen Hunger, hatten wir doch beide nichts gefrühstückt. Wir machten uns auf den Rückweg zum Parkplatz, kamen noch an ein paar Statuen vorbei und wunderten uns darüber was der damalige Künstler schön an diesem Menschen gefunden hatte, dass er ihn in Stein meißeln musste. Am Parkplatz, stieg sie dann ins Auto und ich zückte meine Brieftasche um den scheiß Automaten zu füttern.

7€ für zwei Stunden? Verbrecher!! Wäre ich nicht mit einer Dame da, hätte ich das Scheißding mit reichlich kinetischer Energie davon überzeugt, dass das Parken für mich heute kostenlos ist.

Nur widerwillig fütterte ich den Automaten und stieg zu ihr ins Auto. Sie fragte wie teuer es war, ich gab ihr den Parkschein und sie murmelte

„Verbrecher!“

 

Da wir keinen Plan hatten, wo wir denn essen gehen wollten, machten wir das einzig Richtige, wir fuhren Planlos los. Zwischendrin rächte es sich das wir beide dann wohl doch nicht so viel geschlafen hatten, wir fingen an zu gähnen, der eine steckte dauernd den anderen an,  jeder entschuldigte sich immer wieder und versicherte den Anderen das es nicht an seiner Gesellschaft liegt. Nach einigen Hin und Her, einigten wir uns auf einen Griechen, also fuhren wir da hin und stellten fest, dass er noch geschlossen hatte.

Ein neuer Plan musste her und nach erneuten Hin und Her, einigten wir uns dann auf die Bahnhofspassagen. Dort gab es zwei chinesische Restaurants, der eine für seine Qualität bekannt, der Andere… na ja, eben nicht für selbige. Welcher welcher war, wusste wir beide nicht und krachten natürlich bei dem Falschen ein. Sie bestand darauf das Essen zu bezahlen, da ich mich ja von dem Automaten habe ausrauben lassen.

Nun saßen wir da, die Stimmung war gut, heiter und entspannt. Und hier kommt nun der Moment wo es dann um mich geschehen war. Dadurch dass sie auch „aufgetaut“ war, war es ein wundervolles Beisammensein. Mich fesselte ihr verschämtes Lächeln immer wieder aufs Neue, sie zog dabei immer ihre Nasenspitze nach oben und an ihren Augen bildeten sich so kleine süße Fältchen, dazu dann ihre roten Wangen und die Art wie sie auf ihrem Hintern, halb nervös, hin und her rutschte. Ich versuchte mir meine überschwängliche Begeisterung nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Nebenbei schrieb ihr ihre beste Freundin und fragte abermals ob alles in Ordnung ist.

Frauen haben immer jemandem im Hintergrund der sich alle paar Minuten meldet und fragt ob alles ok ist. Aber wisst ihr was? Wenn diese unbekannte Freundin, euch unbekannter Weise grüßen lässt, wisst ihr, dass ihr alles richtig gemacht habt und das Date so verläuft, wie es verlaufen soll! Ich bekam diesen Gruß.

 

Wir schaufelten uns den Fraß in den Hals und versuchten uns nichts anmerken zu lassen, bis sie dann meinte:

„Das ist echt mies!“

 

Ich stimmte ihr mit

„Jup, das kann ich kaum runterschlucken.“

zu.

Ich brachte die Teller weg und wir beschlossen zu gehen.

Mit einem miesen Gefühl in den Bäuchen, was eindeutig dem „Essen“ zu zuschreiben war, schlenderten wir langsam durch die Bahnhofspassagen Richtung Bäcker. Sie hatte noch Hunger und kaufte sich eine Mohnschnecke. Ich wollte nichts, mein Magen hatte eindeutig genug zu tun.

Es mag banal erscheinen, aber da so neben ihr zu stehen in der Schlange beim Bäcker, fühlte sich irgendwie gut an.

Als sie ihre Mohnschnecke in den Händen hielt, merkte auch sie dass sie genug „gegessen“ hatte, ich verstaute die Schnecke in meinem Rucksack.

Ach ja, ich hatte die ganze Zeit einen Rucksack dabei, vollgestopft mit eventuell nützlichen Dingen.  Ein paar alte Knoppers, etwas zu trinken, eine Rolle Klopapier (für die ständig laufende Nase in der Kälte!!!) und eine Decke.

Eine Decke?! Ja eine Decke! Der Gedanke war simpel denn, wenn man mit einer Frau im Park spazieren geht wenn es kalt ist und man sich dann auf eine Bank setzen mag und sie sagt dass ihr kalt wird, macht es schon einen guten Eindruck wenn man diese auf einmal aus dem Rucksack zaubert. Besser noch, da drunter ist fast Platz für zwei! Ihr wisst was ich meine. Aber, sie war ja gut angezogen und ihr war auch nicht kalt geworden. ¯\_(ツ)_/¯

Aber wie sag ich immer so schön: „La préparation est tout“, Vorbereitung ist alles!

 

Wir machten uns dann auf dem Weg in die Buchhandlung, stöberten da etwas herum und amüsierten uns über Buchtitel wie z.B. „Der Dateleitfaden“. Sie kaufte sich dann auch so einen kleinen 3Kg Roman den ich, gleich nach dem Bezahlen, in meinen Rucksack verstaute.

Glaubt man sowas, in ihrer Handtasche war kein Platz dafür?!

Nach den lyrischen Ergüssen gingen wir Richtung Kino. Ich hätte ja gerne nach ihrer Hand gegriffen, traute mich aber nicht. Da kamen wir an einer langgezogenen Infotafel vorbei, der Eine links, der Andere rechts. Zwei Doofe, ein Gedanke. Während ich einen Schritt schneller lief um sie mit einem animalischen „Buh“ zu überraschen, drehte sie um, um mit selbiger Überraschung von hinten zu kommen. Ein wahrlich schöner Moment und ich fühlte mich immer mehr auf Wolke 7. Nach unserem Techtelmechtel verlor neben uns einer sein Kleingeld, es rollte überall über den Bahnhof, er versuchte mit harten Tritten von oben, die Geldstücke am wegrollen zu hindern. Es hatte etwas von einen irischen River-Dancer den man ins Knie geschossen hatte. Wir, beides nette Menschen, amüsierten uns sehr darüber, halfen ihm aber dabei sein Geld wieder zu bekommen. Er bedankte sich und jeder ging seines Weges, nur hatte ich eine wunderschöne Frau an meiner Seite.

Wunderschön im Sinne von Aussehen und vor allem Charakter, sie ist einfach wunderbar!

Wir erreichten das Kino und setzten uns in die Lounge, weit und breit, keine Menschenseele. Dort wurden unser Gespräch etwas sachlicher, sie erzählte mir Dinge die man eigentlich nicht beim ersten Date erzählt und ich hörte zu.

„Himmel“, falls du das hier jemals list, danke für dein Vertrauen in dem Moment!

Ach Mensch die Natchos, wie konnte ich die nur vergessen. Ein Freund von ihr gab ihr mal den „Geheimtipp“ im Kino dort die Nachos mit Käsedip zu probieren.

Wir kauften eine Packung bevor wir uns setzten.

Obwohl unsere Gesprächsthemen weit von dem abwichen, was man sich sonst so beim Kennenlernen erzählt, empfand ich es als sehr angenehm und ich denke, ihr erging es ebenso. Langsam wurden unsere Themen dann doch wieder etwas heiterer. Sie bot mir ein paar ihrer Nachos an. Ich nahm eine Hand voll und steckte sie mir in den Mund, obwohl mein Magen immer noch unter der Chinaphobie litt. Von der Chinaphobie mal ab, waren diese Dinger das widerlichste was ich an Chips je im Mund hatte, ich dachte:

„Welcher Mensch, der sich „Freund“ schimpft, empfiehlt sowas einen anderen Menschen?“

Wahrlich, wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Aber sie stand total auf die Dinger, dazu dann der Käsedip.

Ich konnte meine Augen nicht von ihr ab lassen wie sie diese Dinger in diesen Dip tauchte und sich genüsslich in den Mund steckte. Es machte mich irgendwie geiler als es sollte, der Primitivling in mir hatte seine Freude daran und es stellte sich abermals als weise Entscheidung heraus, eine enge Unterhose gewählt zu haben. Und sowieso fand ich sie einfach wunderschön wie sie da in dem Sessel saß, so ganz natürlich, wie ihre Haare über ihr Gesicht vielen, wie ihr Näschen sich bewegte wenn sie lächelte, dazu dann diese Stimme.

Allmählich war es dann auch Zeit, das Date zu einem Ende zu bringen. Sie musste mich ja noch nach Hause fahren und selbst noch eine Stunde über die Autobahn brettern. Wir packten unsere Sachen und machten uns auf dem Weg Richtung Parkhaus, dort wartete schließlich der nächste Verbrecher darauf gefüttert zu werden. Im Fahrstuhl auf dem Weg nach unten, standen wir uns gegenüber und wir schauten uns einfach nur an.

Was soll ich darüber schreiben, ich denke nicht das es Wörter im Duden gibt die das hinreichend ausdrücken könnten?!

Die sich öffnende Fahrstuhltür beendete diesen wunderschönen Moment und der Parkscheinautomat stand auch schon sabbernd da. Sie fütterte dieses miese Stück Hardware mit 3€.

Ging ja noch, außerdem will so ein Parkhaus ja auch bewirtschaftet werden, ganz anders als so eine Asphaltplatte im Nirgendwo.

Jetzt, wo ich so darüber schreibe, verspüre ich noch immer den Drang zu diesem Automaten zu fahren, ihn aus seiner Verankerung zu reißen um ihn dann mafiagerecht im nächsten Tümpel zu versenken.

Auf dem Weg zum Auto sagte ich ihr, das sie, wenn sie mich zu Hause abliefert, noch nicht gleich losfahren sollte. Sie lächelte und fragte nach dem Grund.

„Du erinnerst dich an unsere Telefonat und dass ich sagte dass ich dir etwas zum Date mitbringe? Du hast dich sicher schon gewundert dass nichts kam oder?“

Sie lächelte und fühlte sich etwas ertappt. Mir war klar dass sie etwas erwartet hatte, gerade nach so einer Ansage, wie ich sie getätigt hatte. Ich sagte ihr, dass ich das Geschenk nie am Anfang eines Dates überreiche. Ich mag hier auch kurz erklären warum.

Es ist doch so, klein Chris rennt los und kauft eine Blume, trifft die Dame und überreicht ihr diese sofort. Jetzt stehen die Chancen 50:50 dass sie das gut findet oder eben nicht. Wenn das Date nun nicht gut verläuft, sich beide einig sind das hieraus nichts wird, verliert die Blume an Bedeutung und lande gar in einem Mülleimer. Aber kauft ihr die Blume, haltet diese bis zum Ende des Dates zurück, habt ihr immer noch ein Ass im Ärmel um dem Date noch eine Kirsche oben auf die Sahnehaube zu setzen. Verlief dieses Date schlecht, habt ihr ein paar Tage eine Blume im Zimmer stehen, die keinen Bezug zu dem Date hat bzw. könnt ihr sie jemand anderem schenken der sich darüber freut, eure Mutter z.B. oder der Dame an der Kasse, der Nachbarin oder wem auch immer.

Sie fragte nach dem Warum, ich erklärte es ihr und schloss mit den Worten ab:

„Du bekommst auf alle Fälle eins von mir!“

Sie war sichtlich erfreut darüber und ihre Wangen färbten sich abermals rot. Das Strategiekommando in meinem Kopf ließ die ersten Korken knallen.

Im Auto sagte ich noch:

„Du musst mir aber was versprechen!“

„Öhm ja klar, was?“

„Du darfst es erst zu Hause aufmachen!!“

„Wieso das?“

Ich lächelte und sagte nichts weiter dazu.

Im Auto gähnten wir uns wieder gegenseitig die Hucke voll, die Atmosphäre war schön und wir hatten noch das ein oder andere Gesprächsthema. U.A. fragte ich sie nach ihrem Eindruck zu dem Date und ob sie auch möchte das wir uns wiedersehen. Ich glaub ich sagte so etwas wie:

„Ich kann dich gut riechen“

„Ach, du hast doch gar nicht an mir gerochen und wenn, dann rieche ich total nach den Nachos!“

Nüchtern betrachtet, hatte sie ja recht aber aus meiner Sicht hätte sie nach 8 Stunden Kuhstallarbeit riechen können, ich hätte es trotzdem gemocht.

Ich nutzte diese Situation um mich ihr zu nähern und an ihrer Schulter und etwas an ihrem Hals zu riechen und schob es mit etwas Humor in eine nicht ganz so anzügliche Ecke.

„Und, wie rieche ich nun?“

Trocken wie die Sahara antwortete ich:

„Gut!“

Innerlich rastete mein Hormonhaushalt völlig aus, mein Verstand drehte eine Runde nach der Anderen auf der Achterbahn. Sie sieht gut aus, riecht gut, fühlt sich gut an, ist gut, tut gut, klingt gut. Nun wollte ich auch wissen wie sie schmeckt.

Wir kamen bei mir an, ich erinnerte sie daran dass ich noch etwas für sie habe und nahm ihr das Versprechen ab nicht doch einfach los zu brettern.

Sie sagte noch:

„keinen großen Karton oder so!“

Ich schaute auf die Rückbank des Autos und meinte:

„Keine Sorge, der passt da gerade noch rein!“

Mit diesem Gesichtsausdruck ließ ich sie dann alleine, stieg aus und ging schnellen Schrittes nach Hause. Zu Hause kippte ich den kompletten Inhalt meines Rucksacks in den Flur, meine Katzen sprangen panisch zur Seite, steckte diesen urhässlischen Karton in meinen Rucksack und machte mich ebenso schnell wieder Richtung Parkplatz.

Ich hatte immer noch schiss dass sie doch einfach abgehauen ist aber die Angst war unbegründet.

Ich ging zur Beifahrertür, öffnete diese und sie schaute schon total gespannt und sichtlich errötet auf meinen Rucksack.  Dann öffnete ich ihn und zauberte dieses urhässliche Stück Zellulose heraus. Sie fing laut an zu lachen und fragte:

„Was zur Hölle ist das, ist das gefährlich?“

Ich versicherte ihr das es vollkommen ungefährlich ist:

…solange du es zu Hause öffnest!

( ͡° ͜ʖ ͡°)

Ich legte das Päckchen auf den Beifahrersitzt und nun war der Augenblick des Abschieds gekommen. Wir sahen uns an, sagten kein Wort, wir beide lächelten, ich beugte mich zu ihr in den Wagen, etwas näher an sie heran (hier eine beliebige Ode für enge Unterhosen einfügen) und…

 

 

 

 

 

 

 

Gleich kommt’s!

 

 

 

 

 

 

…gab ihr die Hand!

 

 

Ich bin nicht gläubig, aber nur Gott allein weiß, wie sehr ich diese Frau in ihren Sitz drücken, mit meiner linken Hand ihre Haare beiseite schieben und sie sanft im Nacken packend zu mir heranziehen und so innig wie noch nie in meinem Leben, küssen wollte. Es gibt nichts was ich mehr bereue als diesen Händedruck zum Abschied. Aber warum hab ich sie nicht geküsst, jeder andere hätte es wohl zumindest versucht, aus Angst?

Nein, keine Angst. Ich sah wie sie den Kuss erwartet hat und war mir sicher dass alles gut ist. Ich wollte ihn aufsparen für das zweite Date, damit wir beide etwas haben worauf wir uns freuen können. Und, das ist enorm wichtig. Sie wird ihrer besten Freundin von dem Date erzählen und fragen ob er es versucht hat und sie wird ihr dann erzählen dass er es nicht getan hat, es aber vermutlich wollte. Sie wird sie fragen ob sie es denn wollte und sie wird leise, mit rotem Kopf verschämt lächelnd,  „Ja“ sagen. Dieser Grundstein für das zweite Date ist, so denke ich, der Beste den man haben kann, außerdem unterstreicht ihr eure Glaubwürdigkeit dass es euch um den Menschen und nicht nur um etwas Körperliches geht.

 

Nachdem ich ihr die Hand gegeben hatte, lachten wir beide herzhaft über die Situation und verabschiedeten uns. Meine letzten Worte zu ihr waren:

„aber wirklich erst zu Hause aufmachen!!“

( ͡° ͜ʖ ͡°)

Ich schloss die Tür und sie fuhr davon.

Kaum zu Hause setze ich mich vor den Rechner und spielte erst mal eine Runde Egoshooter.

Das Adrenalin musste raus und ich musste mir eine Stunde lang die Zeit vertreiben bis sie zu Hause war und das Päckchen endlich öffnete. Die Frau war so heiß auf dieses Paket und ich auf ihre Reaktion.

Nachdem ich eine Stunde lang mein Adrenalin im Shooter gelassen und die beste Runde meines Lebens gespielt hatte, dudelte mein Handy.

 

„Danke“

„Bin Heim“

„Wäre wirklich nicht nötig gewesen“

 

„Ich weiß, aber es hat dich gefreut. Hoffe ich zumindest. Nur eine kleine Geste“

 

„Hat es. Sehr sogar!“

„Danke für den schönen Tag!“

„Muss mich noch etwas kümmern. Bis später!“

 

 

Volltreffer!! Nun feierten die Strategen in meinem Kopf eine riesen Party.

So und nicht anders „verkauft“ man eine Tafel weiße Schokolade und einen Einzeiler!

Es wäre wohl egal gewesen was ich außer dem Briefchen noch in den Karton gelegt hätte, die Geste ist‘s die zählt und die Aufmachung darum, solange es vom Herzen kommt. Und, liebe Leserinnen und Leser, das tat es!

Ich berichtete jeden, der wusste dass ich dieses Date hatte, wie es gelaufen war und jeder freute sich ernsthaft für mich, wussten sie doch alle wie schwer mir das Kennenlernen fällt.

 

An diesem Punkt gibt es nur eines was in etwa ausdrücken konnte wie es in mir aussah und dafür muss wieder Bruce Springsteen herhalten:

im on Fire: Deutsche Übersetzng SelectShow

 

 

Wir schrieben tagelang und ich suchte den passenden Augenblick um sie nach ein zweites Date zu fragen. Irgendwann kam dann der Tag an dem ich mich dazu entschloss sie danach zu fragen. Vorher war ich aber noch mit einer Freundin zum Spaziergang verabredet.

Schließlich wollte sie auch alles ganz genau wissen.

Ich erzählte ihr  wie ich mich vorbereitete, wie ich mich fühlte was wir beide erlebt hatten, wie ich ihr das Geschenk gemacht hatte, wie es mir jetzt geht und dass ich sie heute um ein weiteres Date bitten werde.

Nach gut zwei Stunden war ich dann wieder zu Hause, ich zog Jacke und Schuhe aus, griff nach meinem Handy. Sie hatte mir geschrieben!

Ich las in der Vorschau die ersten Worte:

„Chris! Hör mir gut zu!“

Ich wollte diese Nachricht nicht lesen, aber da musste ich jetzt wohl durch.

„Chris! Hör mir gut zu! Ich habe heute die Nachricht bekommen dass…“

Anmerkung: Ihr habt sicherlich Verständnis dafür dass ich diese und alle nachfolgenden Nachrichten nicht veröffentliche.

 

 

 

 

Es war ein Donnerstag an dem unser bisschen Glück zerbrach…

Das Date mit „Himmel, 35“

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