Wie hier schon erwähnt, lernte ich Sahra auf der Plattform kennen wo alle elf Minuten rein gar nichts passiert.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten meinerseits, taute auch ich dann mal auf. Sahras Art zu schreiben war sehr offenherzig, anscheinend ehrlich und nicht zuletzt, sehr „prickelnd“. Ja prickelnd, kann das wirklich sein, passiert das wirklich mir? Ich war mit der ungewohnten Situation so überfordert, dass ich eine Freundin fragen musste ob ich das „Angebot“ wirklich auch richtig verstehe und nicht gleich mit Tempo 130 gegen die Wand donnere. Die Freundin bestätigte mir das ich mit meiner „Vermutung“ richtig liege. Man muss dazu wissen, dass keiner von uns wusste, wie der andere aussieht, wir hatten noch kein Bild des anderen gesehen. Was gut war denn, so hatte meine Persönlichkeit überzeugt. Balsam für die Seele! Das Gespräch lief dennoch sehr niveauvoll ab von den kleinen „Spitzfindigkeiten“ mal abgesehen. Dann kam der Moment vor dem ich dann doch etwas Bange hatte, der Austausch der Fotos. Ich empfinde mich nicht als hässlich oder überaus attraktiv, eher normal würd ich sagen, aber von mir gibt es einfach keine gescheiten Bilder. Für das Onlinedatingprojekt habe ich mir eine Woche lang einen abgebrochen um, meiner Meinung nach, ein paar „Brauchbare“ Fotos von mir zu bekommen. Da ich nichts anderes ins Rennen schicken konnte, nahm ich also eines davon. Keine Reaktion, vergleichbar mit dem peinlichen Schweigen bei einem Date! Ich musste also handeln und fragte sie: „Ists so schlimm?“, mit einem erheiterten Smiley am Ende. Und dann meint sie doch tatsächlich, dass ich irgendwie nicht ihr Typ bin.  Die Meisten hätten hier aufgegeben, früher hätte ich das auch getan, aber was hatte ich schon zu verlieren. Generell finde ich es scheiße einen Menschen nach nur einen Foto zu beurteilen gerade, wenn man wie ich, einfach keine Guten von sich hat. Ich begang also Sahra davon zu überzeugen, wie blöd es ist einen Mensch so zu beurteilen und wie „nichtssagend“ ein Foto sein kann. Komische Situation, ein paar Minuten zuvor hätte sie mir ungesehen die Hose vom Arsch gefressen und nun saß ich da und versuchte zu retten was zu retten war. Ich schaffte es schließlich sie davon zu überzeugen wie oberflächlich das Bewerten ist und wir hielten Kontakt.

Ich bin mir nicht mehr sicher, entweder haben wir am gleichen oder aber am nächsten Tag telefoniert. Egal, wir fingen abends an und hörten irgendwann morgens um vier Uhr auf. Es war ein schönes Gespräch, so richtig was fürs Herz und Verstand. Irgendwann kam dann mal das Thema „erste Date“ auf. Ja liebe Leute, es hat sich ausgezahlt hartnäckig zu bleiben und nicht nach dem Bildfiasko die Flinte ins Korn geworfen zu haben! Wie dem auch sei, wir telefonierten jeden Tag sehr lange miteinander und das sogar heute noch! Bei jedem Telefonat planten wir das Date. Immer etwas Neues man tauschte die Ängste aus die man hat, die vermeintlichen Unzulänglichkeiten all das was unter der Einsamkeit Schaden genommen hat. Und, was soll ich dir sagen? Als erste Frau Sahra zu treffen, nachdem das Selbstwertgefühl und alles was damit zusammen hängt doch mehr gelitten hatte als ich bereit war mir einzugestehen, stellte sich als absoluter Glücksgriff heraus! Diese Frau nahm mir alle meine Ängste, all meine vermeintlichen Unzulänglichkeiten und war bereit mit mir ein Date zu haben. Ich freute mich wie Bolle auf dieses Date, von Angst keine Spur, einfach reine Freude auf das Date und auf den Menschen. Wir legten endlich ein Datum fest, da wir feststellten dass es nicht gut ist, ewig Kontakt auf dieser Ebene zu haben, hatten wir doch beide irgendwie das Talent dazu die Sache zu verkomplizieren. Freudestrahlend zählte ich schon die Tage. Wir wollten uns an einem Mittwoch in ihrer Stadt treffen. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde ich von heftigen Bauchschmerzen geweckt. Ein Schmerz der so stark war das man kaum noch seinen eigenen Namen kannte. 20 Minuten später und ich lag im Rettungswagen auf den Weg ins Krankenhaus. Diagnose: Nierenstein! Ein Liter Schmerzmittel und dann noch etwas Morphium später, fing ich an mir Sorgen um das Date zu machen, sah aber ein das es wohl so keinen Sinn hätte und schickte ihr ein Selfi von mir auf Morphium in der Notaufnahme. Ich hatte keine Ahnung wie lange mir dieser „Spaß“ erhalten bleibt und wie lange ich im Krankenhaus bleiben müsste. Ich verkürze die Geschichte mal und will euch nicht mit nicht deutsch sprechenden Nachtschwestern und einen „Zimmergenossen“ langweilen der Schmerzmittel ablehnte und lieber schreiend zu seiner Gottheit betete. Am Montagmorgen gegen 09:00 Uhr, brachte ich völlig erledigt einen gesunden Stein zur Welt, drei Millimeter breit, geformt wie eine Pfeilspitze und nicht minder scharfkantig, ich habe ihn Georg getauft. Der kleine Racker…

Ich erholte mich gut und teilte Sahra mit, dass ich es doch zum Date schaffen würde. Wir freuten uns sehr darüber. Dann kam der Dienstagabend, der Abend vor der Abfahrt. Ich checkte abends am PC nochmals meine Reiseroute und Fahrpläne, stellte dann fest, dass hinter jedem Zug der mich zu ihr bringen konnte, wegen einer Bombenräumung am Hauptbahnhof, ausfällt. Party Hard! Meine Stimmung war im Keller. Ich rief also bei der Bahn an um mich zu erkundigen wie ich es dennoch in diese Stadt schaffe. Zig Warteschleifenmusikminuten und „Servicemitarbeite“ später, hatte ich doch tatsächlich einen etwas kompetenteren Menschen an der Leitung. Zwischendrin, sagte ich Sahra dass kein Zug fährt und wir wohl doch einen neuen Termin finden müssten. Der nette Servicemitarbeiter teilte mir mit das der Zug zwar nicht vom Hauptbahnhof fährt, er dennoch aber fährt und sagte mir auch sogleich wie ich nun termingerecht in diesen Zug komme. Um diesen Bahnhof zu erreichen war ich gezwungen einige Gefallen von Leuten einzufordern für die ich mal etwas gemacht hatte. Zig Telefonate und einigen ausgesprochenen Drohungen später, stand der neue Reiseplan. Ich informierte Sahra darüber dass mich ein scheiß Nierenstein und eine 250kg Fliegerbombe, die irgendein Ami oder Brite in den 40er Jahren in Deutschland vergessen hatte, mich nicht davon abhalten könne, morgen früh in diesen Zug zu steigen!! Romantische Ansage oder?! Ich schlief wie ein Baby und da war er dann endlich, der große Tag, das erste Date seit 17 Jahren und ich war noch immer kein bisschen aufgeregt.

Wie das Date verlief, erfährst du hier.

Der Kontakt mit „Sahra,28“

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